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Big-Band-Klassiker zum Abschluss der Meisterkonzerte

WEIL DER STADT - Den Abschluss der diesjährigen Meisterkonzerte gestaltete die 1999 auf Initiative von Klaus Graf gegründete Daimler Big-Band in der Aula des Bildungszentrums am Sonntagabend.

Von Alexander Walther

Der Stuttgarter Jazzsaxofonist Klaus Graf hatte sein Ensemble fest im Griff. Bei "Shiny Stockings" und weiteren Nummern wie "Fun time" oder der Ballade "Little Darlin" von Count Basie zeigten die Musiker Temperament. Klaus Graf gelang es dabei, seine ganze Energie auf die Band zu übertragen. Elektrisierende Funken blitzten aus den einzelnen Rhythmusgruppen hervor, Gerhard Schenck schuf am Piano zwischen den weit auseinander gezogenen einzelnen Noten starke Spannungen und dynamische Kontraste. Die Boogie-Woogie-Bewegung nahm hier rasante Ausmaße an. Melodiöse und gesangvolle Improvisationen begleiteten den fetzig-spritzigen Song "Ich will mehr". Peter Herbolzheimers "The Healer" beschwor unaufhörliche musikalische Linien. Bei Henry Mancinis "Pink Panther" brillierte der Saxofonist Andreas Mürdter mit einem reich verzierten und harmonisch eingängigen Solo. Salsa- und Sambaklänge brachen sich in mitreißender Weise bei "Masquenada" Bahn.

Der Leadsänger Michael Wolf ist der Daimler Big-Band seit 2001 verbunden. Er war bei Songs von Frank Sinatra ganz in seinem Element. "I'm just a Gigolo" schuf eine knisternde Atmosphäre, die orchestralen Arrangements waren hervorragend. Dies galt auch für weitere Titel wie "I've Got You Under My Skin" und natürlich "The Lady Is A Tramp", wo noch ein Schuss Rhythm & Blues hinzukam. Billy Joels "Just The Way You Are" gefiel ebenfalls auf Grund der gesanglichen Eigenständigkeit von Michael Wolf, der die Originalinterpreten nie imitierte.

An Benny Goodmans legendäres Konzert in der New Yorker Carnegie Hall im Jahre 1936 erinnerte die berühmte Nummer "Sing, sing, sing", wo Klaus Graf sein Ensemble nochmals zu Höchstleistungen anspornte. Der "King of Swing" meldete sich mit immer atemloseren und temperamentvollen Einwürfen zu Wort. Die Goodman Big Band machte eine ausgesprochen kultivierte, von Intonations- und Präzisionsfehlern gereinigte Henderson-Musik, die das Symbol der Swing-Ära wurde. Diese Tatsache wurde bei der ausgezeichneten Wiedergabe durch die Daimler Big-Band deutlich. Hier zeigte sich auch Klaus Grafs besonderes Gespür für solistische Einzelleistungen. Die Posaunen-Gruppe überzeugte durch effektvolle, glissandoartige Kadenzen und Phrasen, die die melodiösen Kantilenen der Saxofongruppe ergänzten. Michael Wolf gewann die Gunst des Publikums bei Nat King Coles "Route 66". Alle Musiker entlockten ihren Instrumenten wahrhaft flirrende Perfektion. Außer Klaus Graf sind alle Mitwirkenden Mitarbeiter der Firma Daimler. Zwischen Bandleader und Orchester herrschte eine äußert lebhafte Kommunikation, die sich im Laufe des Abends immer mehr perfektionierte. Für dieses gelungene und überaus abwechslungsreiche Jazzkonzert gab es zu Recht Applaus des Publikums.

Mit 85 Abos waren fast nur halb so viele Dauergäste als 2003 bei allen Meisterkonzerten dabei. Allerdings seien die Veranstaltungen durchweg gut besucht gewesen, sagte Sigrid Straub vom Weiler Hauptamt gestern.

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9. November 2004
Aula des Bildungszentrums
Leonberger Kreiszeitung

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