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Jeder Musiker ist ein Solist

Gout Bigband hatte die Stuttgarter Daimler Bigband im Kleinkunstkeller zu Gast

Von Rudolf Wesner

Freunde eines satten Big-Band-Sounds kamen am Dienstagabend im Kleinkunstkeller in den Genuss von erwärmenden Klängen, ausgebreitet zunächst von der Daimler Bigband und anschließend auch von der gastgebenden Gout Bigband.

Bietigheim-Bissingen. Alexander Wolpert, der Leiter und Gründer der Gout Bigband aus Bietigheim-Bissingen, hatte vor einiger Zeit die Idee, Freizeit-Bigbands aus der näheren oder weiteren Umgebung die Gelegenheit zu geben, sich im Kleinkunstkeller einem durchaus fachkundigen Publikum vorzustellen.

Die Daimler Bigband unter der Leitung ihres Gründers Klaus Graf ließ am Dienstagabend besonders aufhorchen, denn 200 Könner auf ihren Instrumenten, die tagsüber damit beschäftigt sind, das hierzulande besonders begehrte und beliebte "Heiligsblechle" mit dem Stern herzustellen, produzierten sich als heißblütige und absolut versierte Musiker. Sie boten Bigband-Jazz, der vom ersten Takt an ins Blut der sehr zahlreichen Zuhörer ging. Unter der anfeuernden Leitung von Klaus Graf, einem wahren Temperamentsbündel, entwickelte die Daimler Bigband in allen Registern mitreißenden Sound. Mit Bravour und exzellenter Musikalität wurden anspruchsvolle Arrangements traditioneller oder auch neuerer Titel gespielt. Ein herausragendes Beispiel dafür war "Nuès d'orage" (Gewitterwolke) eines belgischen Jazzkomponisten und -arrangeurs, das die Daimler Bigband am Dienstag zum ersten Mal öffentlich aufführte, wie Klaus Graf ankündigte.

Das war in der Tat ein fulminantes Klanggewitter, das von allen Mitwirkenden höchste Spieltechnik und absolute Sicherheit im Umgang mit ständig wechselnder Rhythmik verlangte. Es zeigte sich überhaupt während des gut einstündigen Programms dieser Band, dass fast jedes Mitglied ein Solist ist. Besonders fielen dabei Carsten Pöschke (Alt-Saxofon), Roger Marzolf (Posaune), Uwe Baumann (Trompete), Peter Junginger (Gitarre) und Gerhard Nolte (Piano) auf.

Auch zwei Gesangssolisten präsentierte die Daimler Bigband. Die Sängerin Karin Fitzel, bis 1999 selbst noch Mitarbeiterin des Konzerns, bewies zum Beispiel mit dem Welthit "Allright, okay, you win", dass sie Swing im Blut hat und dass sie mit ihrer hellen metallischen Stimme, in der auch ein feines Timbre mitschwingt, die Zuhörer begeistern kann. Und auch Michael Wolf, er ließ einen warmen Bariton hören, konnte etwa mit "I've got you under my Skin" begeistern. Beide Solisten zusammenrissen mit "Hit the Road Jack", einstens von Ray Charles kreiert, die Zuhörer von den Stühlen, ähnlich wie die nach lautem Beifall gespielte Zugabe durch die Daimler-Band.

An so viel profundem Bigband-Sound nahtlos anzuschließen, das gelang der Gout Bigband mühelos, obschon sie, wie Bandleader Alexander Wolpert einräumte, am Dienstagabend "im Blindflug" starten musste, denn wegen des Ausfalls des Stimmführers im Saxofon-Set musste er selbst diesen Platz einnehmen. Doch weil die Band nur Routiniers mit reichhaltiger Banderfahrung sitzen, musizierten sie auch ohne ihren Leiter gewohnt perfekt und brillant. Von einem bewährten Oldie wie dem Cole-Porter-Titel "Love for sale" bis zu Jazztiteln aus unseren Tagen, wie etwa das höchst anspruchsvolle "High Maintenance" von Gordon Goodwin, spannte sich der Bogen und endete erst nach zwei Zugaben. Als Solisten brillierten wieder Fabian Raudies (Altsaxofon), Alexander Springer und Markus Kolczyk, Christof Schaff (Trompeten), Frank Mangold (Tenorsaxofon), Matthias Hiller, Volker Schlag (Posaunen), Heinz Morandell (Schlagzeug) und selbstverständlich der Chef Alexander Wolpert am Alt-Saxofon.

Besondere Aufmerksamkeit zog erneut der Benjamin der Band, der erst 18 Jahre alte Pianist Lukas Großmann, auf sich. Er ist jetzt schon ein fabelhafter Jazzmusiker.

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9. Februar 2012
Bietigheimer Zeitung